Jubiläum

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Es ist tatsächlich schon etwas mehr als ein Jahr vergangen seitdem ich den Umstieg von Windows auf Linux gewagt habe – ich feiere also gerade Jubiläum.
In dieser Zeit ist so einiges passiert was das Testen von Software und Distributionen betrifft.

Nun sind gut 12 Monate um und ich setze nach wie vor auf das freie Betriebssystem.

Jubiläum

Es ist daher an der Zeit einmal zurück zu schauen und eine kleine Bilanz zu ziehen.
War der Umstieg von Wehmut geprägt oder gibt das Jubiläum Grund zum Jubel?
Gibt es Programme die ich wirklich vermisse?
Wie sieht es mit der Stabilität von Linux aus?
Was ist die ultimative Linux Distribution?
Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

Distributionen und Stabilität

Um es vorweg zu nehmen: Die ultimative und allein glücklich machende Distribution habe ich (bisher) nicht gefunden.
Für den Einstieg würde ich nach wie vor Mint Cinnamon empfehlen. Insbesondere Umsteigern von Windows wird es hier in puncto Bedienung sehr einfach gemacht.
Alles ist irgendwie da wo man es aus der ‚alten Welt‘ vermutet.
Ein weiteres dickes Plus ist sicherlich, dass Mint ‚out of the box‘ arbeitet und die Cinnamon Oberfläche für meinen Geschmack auch noch sehr gut aussieht.
Bei Mint KDE ist die Frage ob man da nicht gleich zum Original Kubuntu greifen soll. Die in Kubuntu nötigen Anpassungen sind relativ schnell gemacht.
Insbesondere wenn ihr nicht auf einer LTS Version sitzen möchtet sondern auf dem Rolling Release würde ich Kubuntu vorziehen.
Das ist aber sicher mein persönlicher Geschmack – genauso wie ich (momentan) KDE Plasma 5.8 sehr sehr schick finde.

Zur Stabilität kann ich nur sagen, dass bei mir alle Distributionen welche ich getestet habe sehr rund liefen.
Dazu gehören:

  • Mint Cinnamon
  • Mint KDE
  • Ubuntu
  • Kubuntu

Bei Kubuntu solltet ihr auf jeden Fall per Backport ppa auf Plasma 5.8x wechseln!

Programme

Es gibt einige wirkliche Perlen in der Linux Welt, dazu würde ich die folgenden Programme zählen:

  • Krita
  • Digikam
  • Darktable

Daneben gibt es die auch in der Windows Welt bekannten Boliden wie Gimp und Libre Office.

Nicht zu unterschätzen ist hier auch der monetäre Faktor. Das ich ein Jahr lang nicht für Updates beziehungsweise Programm Neukäufe zahlen musste macht sich recht deutlich bemerkbar.
Auch wenn ein Teil der gesparten Knete für anderen Schnickschnack draufgegangen ist.
Genau genommen gibt es exakt zwei kommerzielle Programme auf meiner Kiste:

  • Das Steuerprogramm (dazu unten mehr)
  • Das Homebanking Programm

Ein natives Linuxprogramm für die Steuererklärung gibt es leider immer noch nicht. Für diesen Zweck starte ich dann ein Windows System in einer virtuellen Maschine.
Ich habe die Hoffnung noch nicht komplett aufgegeben, dass es irgendwann einmal für diesen Zweck ein Linux Programm gibt.

Ansonsten gibt es nichts was ich aus der Windows Welt vermisse – zumindest nicht nachdem ich mich umgewöhnt habe.
Ungewohnt war zu beginn quasi ein Linux Grundkonzept:
Bei Windows Programmen versuchen Entwickler oft alle erdenklichen Funktion in ein einzige Programm zu packen. Das ist zwar sehr bequem führt aber auch dazu das einige Funktionen auch einmal ‚halbherzig‘ daher kommen.

In der Linux Welt gibt es sehr oft für Spezialaufgaben separate Programme. Das ich für eine bestimmte Aufgabe ein anderes Programm starten muss, war am Anfang für mich sehr ungewohnt und auch etwas unbequem.
Dafür erledigen diese Spezialprogramme dann die Aufgabe aber auch mit Bravour.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Rapid Photo Downloader.
Während in Darktable die Importfunktionen eher überschaubar sind, lässt der Rapid Photo Downloader keine Wünsche offen.

Experimentierfreude

Durch die freie Verfügbarkeit ist es kein Problem einfach einmal eine neue Distribution in einer virtuellen Maschine auszuprobieren.
Ob das nun produktiv zu nennen ist, wage ich zu bezweifeln. Spass macht das Probieren aber auf jeden Fall :-)
Gleiches gilt wenn ihr Änderungen vornehmen wollt und nicht sicher seit ob das System zerschossen wird. Einfach in einer VM ausprobieren und schon kann nichts passieren.

Natürlich locken auch die vielen Programme damit auch einmal installiert werden zu wollen.
Ich habe von diesen Möglichkeiten reichlich Gebrauch gemacht, bis ich dann bei meiner Software Auswahl gelandet bin.

Jubel Trubel Heiterkeit

Gibt mir das einjährige Jubiläum nun Grund zum Jubeln?
Yepp, und zwar in mehrerlei Hinsicht.

Das es exakt nur ein Programm ist, für das es keinen Ersatz in der Linux Welt gibt finde ich erstaunlich.
Da ich eben dieses Programm nur genau einmal im Jahr für die Steuererklärung benötige, damit kann ich leben.

Ich habe die Gelegenheit gehabt viel Neues zu lernen und mit ebenso vielen Leuten Bekanntschaft zu machen.
Das sind einmal die betriebssystemeigenen Herrschaften Bash und Sudo. Für besonders schlechte Tage steht dann Kollege Killall parat.
Das gilt aber auch für die grosse Anzahl an realen Menschen die mir immer gerne in diversen Foren mit Tipps zur Seite standen.

Meine Bewunderung gilt an dieser Stelle all den Entwicklern die Programme wie Darktable erschaffen.
Das Ganze aus purer Begeisterung und ohne finanziellen Lohn. Da bleibt mir nur ein:
Hut ab!

Welche Erfahrungen habt ihr mit Linux gemacht?
Seit ihr wehmütig wieder in die Fenster Welt zurückgekehrt?

Update:
Leider wird es kein weiteres Linux Jubiläum für mich geben.
Mit einem weinenden Auge bin ich wieder in der Windows Welt gelandet.

Mehr Informationen zu Linux gibt es hier.

Ralf

Jahrgang 1962, lebt mit Frau, Katzen und Hund an der Grenze Münsterland / Ruhrgebeit.

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